Anmerkungen zur Sportpolitik in Hamburg


Wir hatten einmal zwei Badeanstalten im Kerngebiet von Harburg, das Freibad Außenmühle und die Schwimmhalle am Rathausplatz. Generationen von Kindern haben dort das Schwimmen gelernt als Schüler und Mitglieder der Sportvereine. Zwei Schwimmerinnen aus Harburg, Hertha Haase und Ingrid Feuerstaak, gehörten zur deutschen Spitzenklasse. Das alles ist Geschichte.

Heute gibt es noch das Midsommerland als Spaßbad, von vornherein so konzipiert, dass es für Sportvereine nicht geeignet ist. Wir kommen da auch gar nicht rein.

Von 1961 bis 1968 war ich Mitarbeiter der Schulbehörde. Wir hatten in dieser Zeit gut ein Dutzend Lehrschwimmbecken an Schulen gebaut. Der Schwimmsport wurde in jener Zeit als bedeutsam für die körperliche Ausbildung der Kinder angesehen und gehörte zum Kanon der sportlichen Disziplinen, in denen Schülerinnen und Schüler ausgebildet sein sollten.

Die Lehrschwimmbecken kamen in die Jahre, wurden den Hamburger Wasserwerken übereignet, die feststellten, dass diese Einrichtungen nur Defizitbringer sind, die sich nicht rechnen. Also lautete der Beschluss: weg damit.
Übrigens: Sporthallen rechnen sich auch nicht.

Das Unglück wollte es, dass ein Traditionsverein, der HTB 62, oder viel mehr sein Vorstand, in großer Ahnungslosigkeit mit unzureichender finanzieller Ausstattung einige Lehrschwimmbecken übernahm. Das Ergebnis wird bekannt sein. Der Verein ist pleite gegangen. Niemand war da, der den HTB 62 davor warnte, dieses absolut unseriöse Angebot anzunehmen.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende:
2013 soll das neue Dienstgebäude der Stadtentwicklungsbehörde dort fertiggestellt sein, wo sich heute in Wilhelmsburg die Schwimmhallen an der Dratelnstrasse befinden. Sportliches Schwimmen ist dort bisher noch möglich. 2011 müssten diese Schwimmhallen verschwinden. An anderer Stelle in Wilhelmsburg ist zwar ein neues Bad geplant mit teuren Eintrittspreisen, vermutlich wieder ein Spaßbad und ohne Nutzen für den Sport. Unterfinanziert ist dieses Projekt auch, wenn in der Presse der Investitionskostenzuschuss der Stadt richtig wiedergegeben ist.

Eine Pointe hat die Geschichte auch noch: Die Sportstadt Hamburg hatte sich um die Ausrichtung von Schwimmweltmeisterschaften beworben. Diese Chuzpe muss man erst einmal aufbringen. Der Weltschwimmverband hat sich kluger Weise für einen der Golfstaaten entschieden, weil da mehr Kohle abzugreifen ist.

Hamburg, im November 2009

PeterSielaff